
sustainable leadership? - leadership.
Panelgespräch an der Leuphana Universität Lüneburg - Gedanken von Natascha
Vor Kurzem war ich an der Leuphana Universität Lüneburg zu einem Paneltalk über „Sustainable Leadership" eingeladen – gemeinsam mit spannenden Gesprächspartner:innen:
- Kenan Zhang, Chief Sustainability Officer der GoodWe Group und Expertin für CO₂-neutrale Gebäude- und Energiesysteme (live zugeschaltet aus China),
- Christian Berg, Geschäftsführer der AllBright Stiftung und Experte für Female Leadership, sowie
- Carsten Müller, Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls für Erdbeobachtung und Geokommunikation an der PH Heidelberg.
Im Mittelpunkt stand ein Begriff, der gut klingt — und den ich trotzdem mit einiger Skepsis betrachte. Warum braucht Leadership ein „sustainable" davor? Sollte nicht jede Form von Führung per Definition zukunftsfähig sein? Und wenn Führung nicht auf Zukunft ausgerichtet ist — ist sie dann überhaupt Führung? Oder nur Verwaltung des Status quo?

Die systemische Schieflage
Dass wir überhaupt von „Sustainable Leadership" sprechen müssen, zeigt ein strukturelles Problem. Wir haben Führung so lange kurzfristig, zahlengetrieben und reaktiv gedacht, dass Nachhaltigkeit plötzlich wie eine Zusatzoption wirkt - wie ein besonderes Feature oder ein Update.
Führung ist immer eingebettet in Systeme – wirtschaftliche, politische, kulturelle. Diese Systeme erzeugen Druck: Quartalszahlen, Shareholder-Logiken, Effizienzmaximierung, Sichtbarkeit. In solchen Spannungsfeldern langfristig zu denken, braucht Mut und Klarheit. Sustainable Leadership ist also vielleicht weniger eine neue Kategorie, als vielmehr eine Korrektur.
Führung ist Balance im Spannungsfeld
Ein zentraler Punkt unserer Diskussion war das Thema Balance. Als Leader steht man permanent in Spannungsverhältnissen: zwischen Vision und Realität, Geschwindigkeit und Sorgfalt, Wirtschaftlichkeit und Verantwortung, Klarheit und Offenheit, Stabilität und Transformation. Führung bedeutet nicht, diese Spannungen aufzulösen, denn sie verschwinden nie. Führung bedeutet, die Spannung auszuhalten – und eine gute Balance zu finden.
Dafür braucht es neben viel Wissen auch Intuition und Selbstreflexion. Die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Wer innerlich nicht balanciert ist, wird im äußeren System kaum Balance erzeugen. Sustainable Leadership beginnt also nicht im Strategiepapier. Es beginnt in der eigenen inneren Haltung.

Die Kraft einer positiven Zukunftsvision
Was nachhaltige Führung im Kern ausmacht, ist aus meiner Sicht etwas sehr Einfaches – und gleichzeitig sehr Anspruchsvolles: Eine positive Zukunftsvision zu kreieren, der Menschen folgen wollen. Nicht aus Angst, Druck oder Opportunismus. Sondern aus Vertrauen. Menschen arbeiten langfristig nur an etwas, das Sinn ergibt und das größer ist als sie selbst. Sie suchen nach Orientierung, gerade wenn es schwierig wird. Und genau dort zeigt sich nachhaltige Führung: in der Fähigkeit, auch in unsicheren Zeiten eine Inspirationsquelle zu bleiben. Nicht naiv optimistisch, sondern klar, ruhig und zukunftsgerichtet.
Nachhaltige Führung ist Beziehungsarbeit
Am Ende geht es um Vertrauen. Vertrauen entsteht durch Konsistenz, Transparenz und Integrität. Vielleicht sollten wir also weniger darüber sprechen, was „Sustainable Leadership" ist – und mehr darüber, wie wir Führung grundsätzlich verstehen wollen.
Denn nur Führung, die inspiriert, schafft echte Veränderung. Führung, die Menschen mitnimmt, nicht antreibt. Die Sinn stiftet, statt Druck zu erzeugen.
Zukunftsfähigkeit darf nicht nur Zusatz sein, sondern das Fundament unserer Wirtschaft.


